Achtung Hochspannung
Auf die Frage nach einer Gewittersimulation im TransistorNET und dem Vorschlag des Verfassers dazu evtl. Mini Stroboskop Blitzer aus dem Auto Tuning Zubehör zu verwenden, bin ich doch neugierig geworden. Eigentlich ging es ursprünglich darum eine Zufallssteuerung zu machen, und mir erschienen die Teile zu windig billig als dass es echte Blitzröhren sein könnten, aber auf den Hinweis, dass dem doch so sei, war mein Forscherdrang geweckt.
Weil der Beitrag doch ziemlich lang ist – und auch nur für einen speziellen Personenkreis von Interesse sein wird – geht es ausnahmsweise mal erst nach dem Klick weiter.
Ein Link zu einem Anbieter in der eBucht war mit angegeben, und ein “PACE CAR STROBO FLASH LIGHT BLITZLICHT” mit regulierbarer Steuereinheit und 2 Blitzlichtern mit verschieden farbigen Kappen sollte nur 6,90 Euronen kosten. Außerdem waren die Versandkosten mit 2,50 auch sehr günstig, so daß ich zugeschlagen habe. Nachträglich an dieser Stelle ein Lob an den Anbieter, innerhalb von nur 2 Tagen traf ein riessengroßer Karton bei mir ein, der folgende Blisterpackung enthielt:

Ausgepackt sind das dann folgende, teilweise durch dünne Kabel miteinander verbundene Teile:

Zwei Blitzer – die wie ich in diesem Stadium schon sehen konnte tatsächlich Blitzröhren enthalten – mit transparenten Kappen, die regulierbare Steuereinheit, sechs auswechselbare Kappen in verschiedenen Farben sowie zwei Schräubchen zur Befestigung der Steuereinheit.
Ein kurzer Funktionstest am Labornetzteil löste bei mir durch schwache heftige (und regulierbare) Blitze beinahe epileptische Anfälle aus, und ergab eine durchschnittliche Stromaufnahme von 120 mA. Von Nahem betrachtet sieht man auf dem ELECTRONIC TEMPO.CONTROLLER auch noch eine rote Kontroll-LED, die Regulierung mit Skala (MIN & MAX) sowie ein “CE” Zeichen in das schwarze Kunststoffgehäuse eingeprägt.

Man möge mir die teilweise etwas verwackelten unscharfen Fotos verzeihen, alles aus der Hand geknipst und nur mit einer 20 Watt Funzel beleuchtet, aber immerhin habe ich ein Millimeter Papier als Unterlage genommen um die Größenverhältnisse besser darzustellen.
Wenn man das Gerät umdreht findet sich unter der (hier schon abgezogenen) Schaumklebeschicht mit Schutzfolie in der Mitte eine Schraube:

Die nun folgenden Schritte sollten nur von mit Strom erfahrenen Personen vorgenommen werden, und ich lehne ausdrücklich jede Haftung für irgendwelchen Sach- oder Personenschäden ab. DON’T TRY THIS AT HOME !! Auf eigene Gefahr.
Mich selbst kann ja so schnell nichts erschüttern und Schrauben sind zum Aufdrehen da:

Zum Vorschein kommt eine kleine (einseitige) Platine, klassisch oldschool mit diskreten Bauteilen bestückt. Das kann sogar ich als Elektronik Gruftie noch nachvollziehen.

Links gehen die 12 V Gleichspannung rein, und rechts sind mit je einem dreiadrigen Flachbandkabel die beiden Blitzröhren angeschlossen. Gut daß ich vor dem Öffnen das Gerätchen geraume Zeit ohne Versorgungsspannung gelassen habe, sonst hätte es mir an dem Hochspannungselko mit 10 uF und 400 V ganz schön eine wischen können, vor allem wenn man leichtsinnig aus versehen die blanken Lötkontakte auf der Rückseite berührt:

Richtig “spannend” wird es allerdings wenn man versucht die farbigen Kappen auf den Blitzröhren auszuwechseln:

Nach Entfernen der schwarzen Kabeldurchführung (in obigem Foto am unteren Blitzer noch drauf) kann man die transparente “Schutzhaube” vollständig abziehen:

Und zum Vorschein kommt eine nackte Blitzröhre mit bloß liegenden, angelöteten Leitungen. Zwische dem weissen und dem roten Kabel liegen im Betrieb mehrere hundert Volt Gleichspannung an. Über die grüne Leitung wird zum Zünden ein kurzer Hochspannungsimpuls geliefert, die Gasfüllung ionisiert und leitet mit einem Blitz die Gleichspannung. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten auch alle (elektronischen) Blitzgeräte für Fotografen.
Ich muss mich schon wundern, daß in der Bedienungsanleitung (Ein Absatz in mehreren Sprachen auf der Rückseite der Blisterverpackung) zu diesem Stroboblitzer mit keinem Wort auf die Gefahr der offen liegenden Kontakte mit Hochspannung beim Wechseln der Farbkappen hingewiesen wird. Aber ein CE Zeichen am Gerät . . .
Nach mehrfachem Wenden der Platine habe ich den kompletten Schaltplan aufskizziert und mit Hilfe einer starken Lupe auch die Bezeichnungen der Bauteile entziffern können. Dank Tante Google konnte ich auch die Datenblätter der beiden Halbleiter herausfinden: Ein simpler NPN Transistor und ein kleiner Hochspannungs Thyristor.
Die obige Schaltplanskizze ist mit dem (lesbaren) PDF verlinkt.
Im Prinzip ist das Steinzeittechnik, links ein Wandler mit Trafo der über Einweggleichrichtung die Hochspannung erzeugt. Über das Poti und R6 lädt sich der Kondensator C3 langsam soweit auf, bis die in Serie geschalteten Gasentladungslampen DS1 und DS2 leitend werden und damit den Thyristor zünden. Damit wird C3 über die Zündspule entladen und das Spiel beginnt von neuem.
Um die freilaufende Blitzfolge von außen triggerbar zu machen, würde ich DS2 (auf der Platine direkt links neben dem roten C3) rauslöten und eine zusätzliche Leitung an die Verbindung R7/R8 anbringen. Damit kann der Thyristor über eine (niedrige) Spannung (positiv gegen Masse) dann gezielt gezündet werden. Um ganz sicher zu gehen empfiehlt es sich zusätzlich noch eine galvanisch Trennung mittels eines Optokopplers vorzusehen.


June 8th, 2009 at 23:22
ich habe ne frage zu dem tempo controller wie auf den bildern…..
ich habe den selben in meinem auto entdeckt weis aber nciht wofür er ist.
in der mittelconsole ist ein schalter wo mit damit verkabelt ist.
und zu meiner frage kann mir jemand sagen was das genau ist und wofür hab gegoogelt abe rnix darüber gefunden…..
vielen dank im vorraus
mfg
vernes
June 8th, 2009 at 23:28
Hallo Vernes, ich denke in dem Beitrag habe ich ziemlich genau beschrieben wofür das Regelteil eigentlich da ist: Da hängen zwei Blitzröhren dran die ein Stroboskopmäßiges Blitzlichtgewitter erzeugen.
Der Schalter bei Dir ist wahrscheinlich der Ein/Aus-Schalter.
June 9th, 2009 at 09:20
oki doki vielen dank muss das gleich mal ausbauen weil das laut der STVO nicht erlaubt ist.
vielen dank nochmal und nochwas die seite ist interessant ab jetzt schau ich ögter vorbei.
mfg vernes
October 10th, 2009 at 20:02
Hey, das ist ein interessantes Projekt. Die Idee an sich ist auch sehr gut… weitermachen
May 9th, 2010 at 09:06
Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich öfter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.